Outdoor-Training

Petroleumlampe für nächtliche Beleuchtung
Petroleumlampe für nächtliche Beleuchtung

Gestern Abend packten wir in aller Ruhe unsere Rucksäcke. Mit im Gepäck sind unsere neuen Schlafsäcke und unsere neue Luftmatratze. Nachdem wir diese schon im Wohnzimmer ausprobiert haben, folgt morgen der erste Outdoorhärtetest. In der Nacht von Samstag auf Sonntag soll es ca. 1° kalt werden. Außerdem sind Messer, Tarps und Feuerstahl dabei. Ziel ist es, mit möglichst wenig Ausrüstung im Wald einige Tage leben zu können. Was bietet der Wald wohl an Möglichkeiten zur Versorgung, zum Unterschlupf und zum Wohlfühlen? Ich freue mich schon auf mein Weihnachtsgeschenk und die Leckereien, die Britta in unser Proviant gepackt hat: Paleo-Bananenkuchen, Kefir mit Beerenobst, Pfefferbeißer, dazu noch Nüsse, Gemüsesticks, hart gekochte Eier, … lassen mir das Wasser im Mund zusammenlaufen.

Heute Morgen brechen wir um 6:00 Uhr in Richtung Haßbergen in Niedersachsen auf. Es ist kalt, bedeckt und diesig. Trotzdem freuen wir uns schon riesig und für uns scheint die Sonne.
9:00 Uhr - wir sind in Haßbergen angekommen und haben noch eine Stunde Zeit. Wir machen uns auf die Suche nach einem Café, um ein warmes Getränk zu schlürfen - in  Haßbergen ist das nicht ganz einfach. An der Hauptstraße befinden sich nur ein Bäcker und ein Kiosk und weit und breit kein Internet um nach einem schönen Plätzchen zu suchen.
Wir kehren im Kiosk ein und dann geht’s endlich los!

Ankunft am Lager
Ankunft am Lager

Christoph und Sascha empfangen uns am Treffpunkt. Einige Teilnehmer sind auch schon da. Ein lebhaftes Gespräch über vielfältige Outdoorthemen ist bereits im Gange und als endlich alle da sind geht es mit den Autos zum versteckter liegenden Startpunkt der Tour.

 

Dort angekommen werden wir mit Wanderkompass und Karte ausgestattet und starten zu einem ca. 90-minütigen Orientierungsgang. „Sammelt Zunder und Holz für eine Bohrspindel  und findet das Camp!“, lauten unsere Aufgaben. Als eine von drei Gruppen sind wir auf uns alleine gestellt und so geht es nach MKZ und Doppelschritten kreuz und quer durch den Wald. Als zweite gestartet, erreichen wir als erste Gruppe den Lagerplatz. Dort warten Kaffee und ein warmes Feuer auf uns. So kann’s gerne weiter gehen!

 

Kleine Knotenkunde
Kleine Knotenkunde

Bei Proviant und weiteren spannenden Gesprächen warten wir auf die letzte Gruppe, die sich offensichtlich verlaufen hat. Unsere Guides werden langsam unruhig. Nach einiger Zeit beginnen wir schon mit unserem Biwakbau. Wir lernen einige Knoten, deren Namen wir direkt wieder vergessen. Wichtiger ist aber auch, dass wir die Knoten selbst behalten, die unsere Biwakbau-Skills wirklich aufwerten. Mit den fundierten praktischen Tipps ist dann schnell das Tarp aufgebaut. Anschließend richten wir unsere Schlafstätte noch gemütlich ein. Luftmatratze aufgepumpt und Schlafsäcke ausgebreitet… am liebsten würden wir sofort ins gemütliche Bett steigen.

In der Zwischenzeit sind auch die anderen Teilnehmer und ein weiterer Guide eingetroffen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde geht’s zur Pflanzenkunde: Neben dem Alleskönner „Birke“ lernen wir die „Küstentanne“, aus deren Jungnadeln und Harz wir Tee kochen und Zahncreme herstellen können und einige Kräuter zum Verfeinern von Speisen kennen. Außerdem suchen wir Flintholz und trockene Birkenrinde – beides perfekt zum Feueranmachen geeignet.
An einen Wildwechsel besprechen wir, wie und wo wir dort im Notfall Fallen für Kleinwild stellen könnten. Da dies in Deutschland verboten ist, bleibt es bei theoretischen Hinweisen und Tipps für den absoluten Notfall.

große Feuerkunde
große Feuerkunde

Zurück am Lager kommen Feuerstein, Feuerstahl und Zunder zum Einsatz. Wir bauen jeder ein Feuernest und nachdem wir die Birkenrinde richtig fein zerfasert haben, gelingt es schnell, Funken zu schlagen und schon wenig später wärmt ein leuchtendes Feuer gegen die Kälte, die mittlerweile im Lager Einzug gehalten hat.
Vom Holzmachen knurren die Mägen und jetzt werden die Messer benutzt. Paprika, Tomaten, Möhren, Sellerie,… werden zerkleinert und landen im Dutchofen auf dem Feuer. Während der Eintopf köchelt, machen wir uns jeder ein Stockbrot und stillen den ersten Hunger.
Der Eintopf schmeckt fantastisch und es werden Fragen gestellt, Ratschläge gegeben und große und kleine Pläne ausgetauscht und geschmiedet. Es kommt Fernweh auf. Britta quetscht Sascha noch ein bisschen zu seinen Barfußschuhen aus – er ist immer noch mit kurzer Hose und nackten Füßen unterwegs. Irgendwann wird es uns sogar am Feuer zu kalt und wir krabbeln erschöpft und glücklich in unsere noch kalten Schlafsäcke – innerlich gewärmt von einer leckeren Tafel Schokolade. Obwohl die Temperatur nahe am Gefrierpunkt liegt, wird es schnell warm in unserem Schlafgemach und wir schlummern zusammengerollt ein – Luftmatratze und Schlafsäcke bewähren sich voll.

Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.

Am nächsten Morgen weckt uns ein fröhliches Vogelkonzert im gespenstisch anmutenden Frühnebel und obwohl es im Schlafsack gemütlich warm ist, stehen wir auf, kochen neugierig unseren ersten Küstenfichten-Tee und stoßen mit dem Kaffee der anderen Frühaufsteher an. Gewöhnungsbedürftiger Geschmack, aber wirksam gegen leichte morgendliche Halsschmerzen ;)…
Nach dem Frühstück beschäftigen wir uns mit Methoden der Wasseraufbereitung. Welche Filtersysteme gibt es und wofür sind sie geeignet? Sehr nützliches Wissen in Bezug auf unsere anstehende Weltreise!
Im weiteren Verlauf des Morgens lernen wir noch einen weiteren Fallentyp kennen, bauen eine Seilbrücke und machen noch ein wenig Knotenkunde. Nach einer Abschlussrunde bauen wir das Lager ab und erhalten noch stolz unser „Wildnis-Zertifikat“.
Das war ein gelungenes Outdoor-Wochenende, bei dem wir viele bedenkenswerte Informationen für unsere Touren durch die Natur bekamen. Die Veranstaltung war von „Bushcarft – North“ wirklich gut organisiert und man merkt den engagierten und kompetenten Guides an, dass sie für’s Outdoorleben brennen.  Vielen Dank für das tolle Wochenende!