1. Bike-Bewährungsprobe im Harz modifiziert by Corona

Seit unserer Silvesterwanderung im Harz planen wir mit unseren neuen Bikes die erste Bewährungsprobe im Land der Hexen und Dämonen durchzuführen. Viele attraktive Ziele locken uns jedes Jahr in denHarz und mit den Bikes könnten wir ihn noch einmal ganz neu entdecken.
Doch was sich seit Mitte Februar angekündigt hat, hat sich im März immer weiter verdichtet. Eine Reise in den Harz ist durch Corona ausgeschlossen. Also beschließen wir einfach direkt von zuhause loszufahren und unsere Lieblingsbank im Wildwald Vosswinkel zu besuchen. Von dort soll es mit Zelt oder Biwak weiter gehen zu den nahe gelegenen Seen des Sauerlandes.
Doch je näher die Urlaubszeit kommt, desto strikter werden die Einschränkungen und als unsere Kanzlerin darum bittet selbst Osterbesuche zu unterlassen, wird klar, dass ein Biwakieren in deraktuellen Zeit nicht angemessen ist. 

Also heißt es umplanen, so dass wir uns einerseits der Situation angemessen verhalten und andererseits trotzdem einen ersten aussagekräftigen Test unserer Räder durchführen können.

Wir planen, das komplette Gepäck für eine viertägige vollständig autarke Tour zusammen zu stellen, dieses auf die Räder zu verladen und längere Touren zu fahren. Dabei wollen wir Corona-bedingt aber abends immer nach Hause kommen und dort ohne Ergänzung der Vorräte von den mitgeführten Lebensmitteln leben und so Erfahrungen für zukünftige Touren sammeln.

Die Ausrüstung 
So kommt für die nächsten drei Tage einiges zusammen: Kocher, Geschirr, Schlafsäcke, Luftmatratze, Tarp und Picknickdecke benötigen wir für die Übernachtungen. Die Kleidung für drei Tage - inklusive Hygieneartikel - muss für kühle und warme Wetterlagen angepasst sein. Und für alle Fälle ist auch noch Regenzeug im Gepäck.
Aber richtig interessant wird die Planung der Nahrungs- und Wasserversorgung. Viel Obst und Gemüse, dazu Hülsenfrüchte, Nüsse und verschiedene Sorten Käse werden möglichst vorsichtig verpackt, so dass möglichst wenig „zermatscht“ wird. 
Der Klassiker „Nudeln“ bleibt zuhause, dafür kommt probeweise Amaranth ins Gepäck. Ziel ist es für uns, uns auch auf solchen Mehrtagestouren paleo zu ernähren. 
Als Wasservorrat werden 19 Liter auf die Rahmen und die Taschen verteilt. Zwar könnten wir überall Wasser nachkaufen, aber wir wollen einerseits das „social  distancing“ ernst nehmen und andererseits auch Erfahrungen für kommende Touren sammeln, bei denen man vielleicht nicht immer so leicht Wasser besorgen kann. 
Insgesamt kommen so dann 54 Kilogramm Gepäck zusammen. Damit liegen wir etwa 10 Prozent unter der von uns für unsere Tour angedachten Gepäckmenge.

Die Tourplanung
1. Tag: Mit voll bepackten Rädern eine ca. 50 Kilometer Runde durch unsere heimatliche Region drehen.
2. Tag: Mit dem Auto zu unserer Lieblingsbank im Wildwald Vosswinkel fahren, dort ein paar Stunden herumspazieren und dann mit Tagesgepäck die ca. 65 Kilometer zurück zu unserem Biwakplatz auf Balkonien radeln.
3. Tag: Eine deutlich ausgedehnte Fahrt, die über 100 Kilometer lang sein und einige Berge enthalten soll, zurück zu unserem Auto machen, unsere Lieblingsbank noch einmal kurz besuchen und dann mit den Rädern auf der Anhängerkupplung wieder nach Hause fahren. 

Mit den Reiserädern über Trails der Haard fahren.
Mit den Reiserädern über Trails der Haard fahren.

1. Tag - durch die Haard ins Lippetal, weiter nach Dorsten und dann zurück über Marl nach Oer
Nachdem wir gestern schon alle Taschen gepackt haben, hängen wir heute bei herrlichem Wetter diese ans Rad, kontrollieren alles und rollen langsam auf Asphalt in Richtung Haard. Die Räder fahren sich stabil und das Gepäck macht sich bei den ersten leichten Anstiegen richtig bemerkbar. Wir sind es nicht mehr gewöhnt, so schwer unterwegs zu sein, trotzdem ist die Laune prächtig.
Die Haard erwartet uns mit leichtem Schotter, ein paar verwurzelten Trails, einem knackigen Anstieg und zum Teil sandigen Abfahrten. Das ist genau das Richtige, um unsere Bikes auch mit Gepäck zu testen und Erfahrungen zu sammeln, aber - viel wichtiger - um einfach genussvoll zu biken, was dem vielen Gepäck zum Trotz, problemlos geht.
Nachdem wir die Haard verlassen haben, führt uns unser Weg über die Lippe hinweg und im nördlichen Lippetal geht es jetzt zügig auf asphaltierten Wegen in Richtung Dorsten voran. Jetzt können wir erstmals richtig testen, was unsere Ladeelektronik leisten kann. Die kleine Powerbank ist schnell voll und auch das GPS-Gerät lädt in einer Stunde genug für einen ganzen Tag.
Nach 30 Kilometern überqueren wir die Lippe erneut und es geht - nach einem sonnigen Picknick - zügig über Marl in Richtung Heimat, wo wir zufrieden unsere Räder abpacken und den Amarath aus unseren Proviant zu einem Abendessen verarbeiten. Der Amaranth wirkt erstmal praktisch, aber an dem Geschmack müssen wir noch ein wenig arbeiten. 
Auch der Biwakplatz auf unserem Balkon ist schnell mit Picknickdecke und Luftmatratze bezogen und so können wir zum gemütlichen Teil des Abends übergehen: Beine hochlegen, den Vollmond am Himmel genießen und tief und fest schlafen.

glücklich auf unserer Lieblingsbank
glücklich auf unserer Lieblingsbank

2. Tag: Direkter Weg vom Wildwald Vosswinkel nach Oer

Nachdem wir am Morgen unsere Räder auf die Anhängerkupplung und unser Tagesgepäck ins Auto verladen haben, fahren wir gegen 9 Uhr zum Wildwald. Dort angekommen werden noch schnell die Räder gesichert und dann spazieren wir durch den fast leeren Wald durchs "Wildschweinrevier" vorbei zu unserer Lieblingsbank. Dort machen wir ein zweites Frühstück und freuen uns über den idyllischen Platz, den wir vor einem halben Jahr ausgewählt haben.

Danach geht es an Uhu und Eichhörnchen vorbei zurück zu unseren Rädern. Dort angekommen verstauen wir noch schnell unser Tagesgepäck und unsere Reisebegleiter und dann brechen wir auf in Richtung Oer.

Auch heute ist das Wetter wieder großartig und ein erster kurzer Trail bringt uns zur nahe gelegenen Hauptstraße. Von dort rasen wir bergab Richtung Ruhr und schnell haben wir Schwerte erreicht. Es geht weiter über Wiesen und Felder und durch eine schöne Allee, bis wir die Vororte von Dortmund erreichen. Ist es dort zu Beginn noch schön, wird es langsam immer schlechter. Irgendwann finden wir uns an der B1 wieder. Diese ist trotz Corona-Krise überfüllt und der Lärm und der Gestank sind sehr unangenehm. Wir fragen uns, warum unser Routenplaner - der eigentlich bevorzugt schöne Radwege verwendet -uns an einer solchen Straße entlang führt. Später stellt Andreas fest, dass er einen falschen Kartensatz für unsere Routingeinstellungen verwendet hat. "Selbst schuld!" kann man da nur sagen.   

Der Radweg führt in Henrichenburg direkt durch die alte Schleusenkammer.
Der Radweg führt in Henrichenburg direkt durch die alte Schleusenkammer.

Hinter Dortmund fahren wir auf den Emscherradweg. Dieser ist zwar gut zu fahren, aber insgesamt ein Wechselbad der Gefühle. Mal radeln wir schön ruhig durch die Natur, dann wieder an einer Hauptstraße entlang. Erst als wir den Dortmund-Ems-Kanal erreichen, wird es wieder richtig schön.. Wir machen noch eine schöne Pause direkt am Wasser und freuen uns auf die letzten 20 Kilometer. 

Dieses letzte Teilstück hält für uns noch ein Highlight bereit. Das Schiffshebewerk in Henrichenburg kennen wir schon vielen Radtouren. Auch eine Besichtigung des Museums ist lohnenswert. 

Aber das eigentliche Highlight kannten wir beide noch nicht. Wenn man nördlich am Schiffshebewerk vorbei fährt, kommt man zur alten Schleusenkammer. Der Radweg führt dort - wenn die Bremsen OK sind - direkt hindurch. Die Durchfahrt ist wirklich beeindruckend.

Danach nehmen wir die letzten Kilometer in Angriff und erreichen nach einem tollen Tag unsern heimischen Biwakplatz.

Schiffshebewerk in Datteln zu Beginn dieses Tages
Schiffshebewerk in Datteln zu Beginn dieses Tages

3. Tag: Von Oer durchs Lippetal am Möhnesee vorbei zum Wildwald

Nachdem wir gestern die Rückfahrt vom Wildwald gemacht haben, steht heute die verlängerte Hinfahrt an. 

Um halb Neun sitzen wir dieses Mal auf unsern leicht beladenen Rädern. Wir fahren durch Datteln zum Datteln-Hamm-Kanal und überqueren diesen und die Lippe. Um zur Lippe "herunter" zu kommen, müssen wir eine steile Schotterpiste mit der Aufschrift "Radfahrer bitte absteigen" herunter fahren. Auch hier zeigen unsere Räder ihre guten Fahreigenschaften. Dann geht es ein Stück die Lippe entlang in Richtung Vinum und Bork. Der Weg führt uns über einsame Landstraßen an Werne vorbei nach Hamm, wo nach 50 Kilometern Andreas Knie anfängt rumzuzicken. Außerdem ist auch Brittas Schulterbereich leicht verspannt. Also packen wir erstmal die Picknikdecke aus und machen eine Pause. und futtern unsere selbstgemachten Energie-Riegel.

Schloss Hovestadt, ein malerisches Kleinod im Lippetal
Schloss Hovestadt, ein malerisches Kleinod im Lippetal

Nachdem wir uns wieder besser fühlen, steigen wir wieder aufs Rad und fahren weiter die Lippe entlang in Richtung Schloss Hovestadt. Dieses liegt in der Sonne bietet einen malerischen Anblick. Wir machen ein kurzes Päuschen und stellen uns mental auf den bevorstehenden Anstieg über die Haar ein.  Dann geht es weiter durch die Soester Börde und dann Haar hinauf. Tatsächlich ist der Anstiegt moderat und wir können locker hinauf fahren. Es geht viel leichter als gedacht und schon können wir den Möhnesee liegen sehen. Die Abfahrt gehen wir gemütlich an, lassen überwiegend rollen und kommen ganz relaxed an der Bogenbrücke im Osten des Möhnesees an.

Wir entscheiden uns noch das gesamte Südüfer des Möhnesees abzufahren.Der Radweg lädt zum Gas geben ein und so fliegen mit viel Spaß die Kilometer vorbei, ohne dass wir allerdings unserem Ziel näher kommen. Die Extrakilometer ist der Weg aber auch wirklich wert. Am Hevebecken machen wir dann noch eine Pause, vertilgen das letzte Brot und ein paar Energieriegel, um dann die letzte Etappe zum Wildwald mit ihrem abschließenden Anstieg in Angriff zu nehmen. Wir wollen den leichten Weg über die Möhnestraße hinunter zur Ruhr nehmen, aber als wir an der Staumauer angekommen, ist diese für Fußgänger und Radfahrer gesperrt und wir müssen dann doch noch den Weg durch den hügeligen Wald nehmen, den wir uns ursprünglich ersparen wollten. 

Es wird sofort landschaftlich schön. Der Schotterweg steigt mal leicht mal stärker an und unsere Räder zeigen einmal mehr ihre Vielseitigkeit. Wir fahren gemütlich weiter und als es dann endlich ins Tal geht, finden wir einen wurzeligen, engen Trail, den wir am liebsten mit MTBs herunter gefahren wären, aber auch hier zeigen unsere Bikes was sie können. Sie sind absolut Trail geeignet und wir sehr zufrieden.

Das letzte Stück geht es dann noch mal die Möhnestraße entlang nach Neheim und von dort in Richtung Vosswinkel. Der letzte Anstieg vorm Ziel ist ja bekanntlich der härteste. Doch wir fühlen uns richtig gut und finden gleich einen guten Rhythmus. So kommen wir gar nicht erst außer Atmen und schon bald sind die Höhenmeter gemacht und der Parkplatz erreicht. Hoch zufrieden steigen wir vom Rad.

Fazit:

Trotz Corona ist es uns gelungen drei Tage auf unseren Bikes zu verbringen, die sich wie eine mehrtägige BIketour mit Zelt oder Biwak anfühlt. Wir konnten richtig abschalten und haben wieder einmal festgestellt, wie schön und vielseitig man im nächsten Umfeld mit dem Rad unterwegs sein kann. Urlaub zuhause macht auch sehr viel Spaß. Trotzdem bleibt der Harz auf unserer bike-bucket-list.

 

Unsere Bikes haben ihren ersten Härtetest mit Bravour bestanden. Einerseits sind sie auf Asphalt sehr schnell unterwegs. Außerdem vertragen sie auch problemlos die Gepäckmengen, die wir uns vorstellen und haben immer noch gute Geländeeigenschaften, mit denen wir uns auch auf wurzeligen und schotterigen Wegen sehr sicher fühlen.

 

Die Stromversorgung hat sich auch schon mal mit Einschränkungen bewährt. Das Appcon 3000 lädt zuverlässig Powerbanks, GPS und Handys. Das Plug III lädt unsere kleine Powerbank ab ca. 15km/h zuverlässig. Die große Powerbank wurde auch bei  über 20 km/h nicht geladen. Der Ladestrom reicht dafür nicht aus. Bei konstanten Geschwindigkeiten über 15 km/h konnten auch unserer Handys geladen werden. Bei wechselnden Geschwindigkeiten, war das Laden bisher nicht erfolgreich. Wir werden die beiden Lademöglichkeiten weiter testen.