Mit dem Rad in die Niederlande

In diesem Jahr haben wir uns vorgenommen, nicht mit dem Auto sondern umweltfreundlich mit dem Rad zum Segeln in die Niederlande zu fahren. So reicht ein PKW für alle fünf Mitfahrer inklusive Gepäck für die Anreise.

Sonntag 14. Juli – Prolog
Heute bringen wir unser gepacktes Auto zu meinen Eltern, die uns in den ersten beiden Wochen auf unserem Törn begleiten. Dann geht es mit dem Bike die 100 Kilometer zurück von Warstein nach Oer-Erkenschwick.
Wir starten um 11:00 Uhr in Warstein, fahren die Wäster entlang nach Belecke und nehmen dann die gut ausgebaute alte Bahntrasse in Richtung Möhnesee. Für mich kommt auf diesen ersten Kilometern zum ersten Mal ein richtiges Urlaubsgefühl auf. Wir fahren durch den Wald, die Bäume ziehen vorbei und die kühle, klare Luft und das Glitzern der Wassertropfen sorgen dafür, dass ich mich entspannt und erholt fühle. Bei mir werden Erinnerungen wach, bin ich doch als Grundschüler mit meinen Kumpels regelmäßig die 20 Kilometer lange Strecke gefahren, um am Wameler Becken ein paar Stunden zu verbringen.
In Wameln geht’s bei „Pengel-Anton“ in langgezogenen Serpentinen ohne große Anstrengungen auf die Haar und dann bei leichtem Gegenwind weiter nach Ense und Bremen in Richtung Kamen. Dort wird erstmal ein leckeres Eis gegessen und anschließend geht es weiter die Seseke entlang nach Lünen. Die letzten 20 Kilometer führen uns dann durch heimatliche Gefilde. Vorbei am Schiffshebewerk geht es nach Datteln und über Horneburg nach Hause.
Bei trockenem, aber etwas zu kaltem Wetter war das ein perfekter Auftakt für den Urlaub und wir freuen uns schon, dass in zwei Tagen unsere Radtour in die Niederlande startet. Mit drei Zeltübernachtungen soll es mit Zwischenstopps gemütlich mit vielen Kaffee- und Eispausen, völlig stressfrei und ohne Stau bis nach Heeg gehen.

 

Startklar!!
Startklar!!

16. Juli – Los geht’s
Unsere Räder stehen beladen in der Garage und nach einem guten Frühstück werden die letzten Gepäckstücke verzurrt und auf geht’s nach Coesfeld. Durch die Haard trampeln wir in Richtung Haltern. Leider finden wir schon an unserem ersten Stopp eine Stelle im Wald, an der jemand seinen Hausmüll entsorgt hat – einfach traurig!
Von Haltern aus fahren wir weiter nach Norden, erst in Richtung Dülmen, dann biegen wir auf eine ruhige und sehr schöne Landstraße durch den Wald ab und fahren weiter in Richtung Coesfeld. Die Landschaft ändert sich und wir wechseln auf Feldwege und fahren entlang am Naturschutzgebiet „Weisses Venn“, wo wir nach 24 Kilometern eine kurze Rast einlegen und die Aussicht auf das „Weisse Venn“ genießen.
Weiter geht es nach Coesfeld, wo wir nach 45 Kilometern um 12:00 Uhr zum Mittagessen erwartet werden. Wir klönen zwei Stunden, dann steigen wir wieder auf unsere Räder. Pro Tag wollen wir 85 Kilometer fahren, um die letzte Nacht, 15 Kilometer vor unserem Ausgangshafen entfernt, auf dem Boot meiner Eltern zu übernachten. Unser Weg führt uns zuerst weiter nach Gescher, wo wir ein Eis essen und dann über Stadtlohn nach Vreden und weiter zur niederländischen Grenze. Zwar ist die Strecke nicht immer asphaltiert, aber dafür einfach wunderschön zu fahren.
Die Überquerung der Grenze zu den Niederlanden bemerkt man als Radfahrer immer sofort. Die gesamte Verkehrsführung wird so verändert, dass man sich als Radfahrer ernst genommen fühlt. Für unsere Nachbarn hat offensichtlich der sichere Radverkehr eine hohe Priorität. Breite, gut ausgebaute Radwege – meist baulich getrennt von den Straßen, Grünanforderung durch Bodenkontakte, Unter- oder Überführungen und viele weitere Details machen das Radfahren schneller und sicherer. So sieht man sehr viel mehr Radfahrer, was tatsächlich in einigen größeren Orten schon mal zum Verkehrschaos auf den Radwegen führt.
Kurz nach der Grenze ist die erste Etappe geschafft und wir suchen uns einen Campingplatz in der Nähe von Eibergen.
Der Campingplatz wirkt verlassen. Zwar stehen überall Hütten von Dauercampern, aber wir sehen keine Menschenseele. Es gibt keine Rezeption, sondern nur eine kleine Kneipe in der wir uns anmelden können. Allerdings sind die beiden Bedienungen überrascht über unseren Wunsch, im Zelt bei ihnen zu nächtigen und wissen auch nicht so recht Bescheid. Nach etwa 20 Minuten sind die Formalitäten erledigt und wir fahren zur Zeltwiese. Der Weg dorthin ist gepflastert mit dicken Stahlplatten. Wir sind das einzige Zelt und als wir mit dem Aufbau beginnen kommt ein junger, mitgenommen aussehender Mann aus seinem Campingwagen, beginnt zu quatschen und erzählt uns, dass morgen der LTE-Sendemast aufgestellt wird.
Der Weg zum Waschhaus führt uns an einem ausgebrannten Campingwagen vorbei an dem ein Fenster fehlt, in dem aber schon wieder Kerzen auf dem Tisch stehen.
Nach dem Aufbau kochen wir uns unser Abendbrot, lesen noch ein wenig und schlafen zufrieden ein.

Auf nach Kampen!!
Auf nach Kampen!!

Nächster Morgen, 7:00 Uhr, der Kran kommt angefahren und sorgt für ein unsanftes Ende der Nacht. Wir stehen also auf und machen uns fertig. Nach dem Frühstück auf unserer Picknickdecke bauen wir ab und beladen unsere Räder. Als wir gegen 9:00 Uhr vor der Kneipe stehen um unseren Schlüssel abzugeben, bleiben die Türen verschlossen. Letztlich klingeln wir den verkaterten Wirt heraus, der offensichtlich unzufrieden ist, dass seine Mitarbeiter uns für den Schlüssel eine Kaution abgeknöpft haben. „Für einen Tag behalten wir keine Kaution ein“, meint er.
Uns ist es egal. Wir fahren los und weiter geht’s in Richtung Zwolle. Unser Weg führt uns durch den „National Park Sallandse Heuvelrug“. Hier findet sich auch der steilste Anstieg der Tour. Ganze 60 Höhenmeter sind zu „bezwingen“. Die Landschaft ist heideartig mit viel Sand und erinnert uns so gar nicht an die Niederlande. Danach kommen uns die Namen der Städte von unserer letzten Radtour durch Holland bekannt vor. In Raalte machen wir einen Zwischenstopp und füllen den Tank mit „Patat“ auf und dann geht es weiter nach Zwolle zum Kaffeetrinken. In der Stadt ist Flohmarkt und sie wirkt quirlig und auf den Radwegen entsteht zum Teil sogar ein bisschen Verkehrschaos, allerdings ohne Hupen und Stress.  Die Stadt weckt in Britta den Wunsch zu einer mehrtägigen Besichtigung. Anschließend geht es noch bis nach Kampen, wo wir auf einem für Radler perfekten Campingplatz unterkommen. Unter einen großen Überdach stehen vier Tische vor Sonne und Regen geschützt. Wir machen uns frisch und genießen beim abendlichen Spaziergang den Blick über die Ijssel nach Kampen

Urk im Bick
Urk im Bick

Heute morgen empfängt uns ein warmer Rückenwind. Er schiebt uns von Kampen zum Ramsdiep, der Brücke zwischen Zwartemeer und Ketelmeer. Dort haben die Niederländer zum Hochwasserschutz einen „Damm“ gebaut, den man wie einen riesigen Fahrradschlauch mit Wasser „aufblasen“ kann. So bleibt das Ökosystem in den meisten Fällen unbeeinflusst und der Hochwasserschutz trotzdem gewährleistet.  Wir nehmen den Weg direkt am Ketelmeer. Vom Radweg aus können wir die Boote beobachten und die Vorfreude auf "unsere" Vrouwe steigt. Als wir das Ijsselmeer erreichen, können wir Urk schon in der Ferne liegen sehen und der "Mucklino-Express" gibt Vollgas, ist doch für Urk ein Kibbelingpäuschen fest eingeplant.
Obwohl wir Urk mit dem Boot schon kennen, ist es eine neue Erfahrung mit dem Rad hinein zu fahren und den Ort zu erkunden. Gemütlich durchfahren wir die kleinen Gässchen und erleben die Stadt mal etwas anders. Anschließend gibt es endlich den verdienten Kibbeling.
Weiter geht’s am Ijsselmeer entlang nach Lemmer. Auch hier sind wir schon einige Male mit dem Boot gewesen und wieder erleben wir den Ort mit dem Rad aus einer anderen Perspektive. Außerdem ist heute Markt und wir können unsere Vorräte schon dort mit frischem Obst und Gemüse und luftgetrockneter Bio-Salami auffüllen. Dann schlecken wir noch ein Eis mit Blick auf den Kanal von Lemmer, um anschließend die letzten 10 Kilometer nach Sint Nyk in Angriff zu nehmen. Dort werden wir noch eine Nacht verbringen, bevor wir Morgen die letzten 15 Kilometer nach Heeg fahren, wo dann die Vrouwe hoffentlich schon auf uns wartet.

Princes Margriet Kanal
Princes Margriet Kanal


Auch am nächsten Morgen ist das Wetter wieder perfekt zum Radfahren. Wir packen unsere Räder und schon geht’s los. Am Turm von Spannenburg vorbei, über den Princes Margriet Kanal, lassen wir Woudsend links liegen und fahren entspannt nach Heeg. Dort erwartet uns unsere neue Heimat für den nächsten Monat, die Vrouwe Willemke von Heech by de Mar und der zweite Teil des Urlaubs kann beginnen.