Schneeschuh-Hüttentour im Allgäu

Glücklich im Schnee!
Glücklich im Schnee!

Ich bekomme aber auch immer tolle Geburtstagsgeschenke!! Am Freitag des Karnevalswochenendes heißt es sofort nach der Arbeit: Rucksäcke packen, Wohnung aufräumen, Proviant einkaufen und vorbereiten. Gegen 21 Uhr springen wir mit heißem Kaffee bewaffnet ins Auto und brausen Richtung Süden - das Allgäu, genauer: das Dörfchen Oy-Mittelberg, ruft!

Die Fahrt über Nacht verläuft glücklicherweise flüssig, sodass wir uns gegen 01:00 Uhr dem Ziel nahe zu einem Schläfchen im Auto ausstrecken können. Gegen 06:00 Uhr nehmen wir mit einem frischen Kaffee vom Rastplatz die letzten Kilometer in Angriff und haben vor Ort noch einige Stunden Zeit zum Ausruhen.

Letzter Anstieg zur Grünten-Hütte
Letzter Anstieg zur Grünten-Hütte

Am Treffpunkt, einem Wanderparkplatz außerhalb des Dörfchens, lernen wir unsere Tourgruppe kennen. Zwei Bergwanderführerinnen starten heute mit zwei Gruppen Richtung Grüntenhütte. Wir bekommen unser Equipment, Schneeschuhe und Stöcke, sowie eine kurze Einweisung und dann geht es los! Auf der Hütte werden wir die andere Gruppe wieder treffen und ein gemeinsames Matratzenlager beziehen. Zunächst führt uns der Aufstieg über verschneite Weiden und Hänge, dann tauchen wir in den Wald ein. Das Tempo ist bedächtig, regelmäßig machen wir Pausen zum Essen, Trinken, Jacken aus- oder anziehen und Genießen der atemberaubenden Umgebung. Auf den Bäumen liegt drei Finger dick Schnee, die Äste biegen sich unter der Last. Der Himmel ist milchig-bedeckt und verbreitet eine geheimnisvolle Atmosphäre. Ab und zu queren wir Hänge, über die wir aufgrund des Lawinenrisikos mit großem Abstand zueinander gehen. Nach ungefähr drei Stunden treten wir aus dem Wald heraus an einen freien, windigen Anstieg heran. Dort oben soll die Grüntenhütte liegen.

Grünten-Hütte und Schuppen, dahinter links die von uns erwanderte Anhöhe, rechts der Grünten-Gipfel
Grünten-Hütte und Schuppen, dahinter links die von uns erwanderte Anhöhe, rechts der Grünten-Gipfel

Dort angekommen kehren wir ein, beziehen das Lager und schlürfen einen heißen Kakao. Im Gespräch mit unseren Mitwanderern bilden sich zwei Interessengruppen heraus: die einen wollen gemütlich bei Germknödel und einem guten Buch den Hüttenabend einläuten, die anderen möchten an die Tour gern noch eine ca. zweistündige Wanderung ohne Gepäck anschließen. Hinter der Grüntenhütte sind nämlich zwei Anhöhen auszumachen, von denen eine - die linke - mit Schneeschuhen zu erreichen ist. Die rechte Anhöhe, der Gipfel des Grünten, ist heute Abend leider keine Wanderoption mehr. Zusammen mit unseren beiden Bergführerinnen machen wir uns auf den Weg. Der Anstieg zur stillgelegten Liftstation unterhalb des Gipfels ist sehr steil. Unterwegs überholt uns ein drahtiger älterer Herr auf Wanderski - ihn sehen wir später noch routiniert auf der Abfahrt vom Grünten-Gipfel. Wir, die Anfänger im Schneeschuhwandern, wenden uns nach einigen Abwägungen aufgrund der stark vereisten Hangbedingungen deutlich unterhalb der Liftstation nach links und queren den Hang in Richtung Anhöhe. Welch ein Moment! Andreas kugelt vor Freude durch den Schnee! Wir lassen die Blicke über das bergige Panorama schweifen und machen sogar einige Gämsen am seitlichen Steilhang des Grüntengipfels aus.  Der Abstieg ist steil und fordert die Konzentration. Ab und zu landen wir auf dem Hintern. Wir haben noch das Glück, ein paar Passagen Tiefschnee zu überqueren - das macht auf Schneeschuhen unglaublich viel Spaß!

Ausblick von unserem Lager
Ausblick von unserem Lager

 

 

 

Auf der Hütte wird es dann gemütlich. Bei Spätzle, Braten und Rotkohl tauschen wir einige Reiseerfahrungen aus. Ein Paar aus Hamburg berichtet uns von ihrer Tour durch amerikanische Nationalparks - die stehen auf jeden Fall auf unserer To-Travel-Liste ;)! Noch K.O. von der Anfahrt gehen wir relativ früh schlafen - bis zur Nasenspitze eingemummelt in unsere Schlafsäcke (so ganz geheuer sind mir die Matratzen, Kissen und Wolldecken des Lagers nämlich nicht) - schläft es sich ausgezeichnet und wesentlich ruhiger als erwartet.

Traumhafter Sonnenaufgang am nächsten Morgen
Traumhafter Sonnenaufgang am nächsten Morgen

Früh waren wir im Bett, früh sind wir auch wieder draußen. Nach dem Aufwachen springen wir in die warmen Kleidungsstücke, schnappen den lauwarmen Rest Tee aus unserer Thermoskanne und setzen uns in den Windschatten des Schuppens vor der Grüntenhütte. Es ist zwar sehr kalt, aber es lohnt sich! Nach ein paar Minuten schaut die Sonne über den Bergkamm im Osten und wärmt uns die Nasenspitzen. Heute wird ein klarer, sonniger Tag!

Wir frühstücken und bereiten uns auf den Aufbruch um 09:00 Uhr vor. Dann geht es in herrlichem Sonnenschein zurück zum Ausgangspunkt. Heute ist der Blick zum Horizont noch umwerfender als gestern. Wir wandern eine etwas schmalere Kammlinie entlang und steigen eine vereiste Felsstufe hinunter. Später geht es über Wiesen durch unberührten Tiefschnee. Unsere Gruppe ist so flott auf den Beinen, dass wir noch einen kleinen Bogen schlagen wollen. Während letzterer geplant wird, demonstriert Andreas die Techniken des Iglubaus im Miniaturformat ;). Glücklich stapfen wir danach weiter über herrliche Wanderwege. Die ausgetretenen, harschen und teilweise mit Neuschnee verdeckten Wege fordern Trittsicherheit und vorausschauendes Gehen, denn regelmäßig droht man seitlich einzubrechen und umzuknicken. Gegen 12 Uhr - eine Stunde früher als geplant, wir müssen wirklich zügig gewesen sein - erreichen wir den Startpunkt unserer Tour. Schade! Es war so schön!

Mein Lieblingsmann im Schnee
Mein Lieblingsmann im Schnee

Zum Glück ist mein Geburtstagsgeschenk noch nicht vorbei - zwei Tage bleiben wir schließlich noch hier und ich bin gespannt, was mich erwartet. Erst einmal lassen wir uns in die Sonne sinken und machen ein Mittags-Picknick im Schnee. Danach fahren wir nach Oy-Mittelberg, ab 15 Uhr können wir unsere B&B-Unterkunft beziehen, bis dahin wärmen wir uns bei einem heißen Kaffee in einer Konditorei auf. Unser Zimmer ist wirklich schön - sehr sauber und gemütlich eingerichtet. Wir laden aber erst einmal nur unser Gepäck ab, denn wir wollen das schöne Wetter noch nutzen - und zwar in der Breitnach Klamm! Also nichts wie los!

Unsere Enttäuschung ist groß, als wir sehen, dass die Klamm witterungsbedingt gesperrt ist. Ein Punkt, der auf unserer Wunschliste stehen bleibt!

Wir lassen uns die Laune aber nicht verderben, sondern suchen uns ein neues Ziel, um das Wetter zu genießen - den nahe gelegenen Eichhörnchenwald. Es wird eine herrliche, aber kürzere Winterwanderung. Wir sind plötzlich sehr müde und ohne Schneeschuhe läuft es sich sehr beschwerlich durch den von der Mittagssonne aufgeweichten Schnee. Auf einem Hochsitz machen wir Pause, schweifen gedanklich zu unserem mit Familie und Freunden geplanten Segeltörn im Sommer und ich realisiere mal wieder mit voller Wucht, wie gut es uns geht. Nach einer Dusche und einem leckeren Essen (auf der Suche nach einem "faschingsfreien" Gasthof verschlug es uns auf abenteuerliche, steile, sich zwischen Schneemauern hindurch windende Feldwege) fallen wir glücklich ins Bett.

Ausbau unserer Langlauf-Skills ;)
Ausbau unserer Langlauf-Skills ;)

Heute ist echtes Aprilwetter! Sonne, Wolken und Regen wechseln sich ab, dazu stürmt es zunehmend. Für den Nachmittag ist eine Unwetterwarnung herausgegeben - trotzdem hoffen wir, dass der gebuchte Langlaufkurs (Mein Geburtstagsgeschenk hört gar nicht auf, mich zu überraschen!) stattfinden wird. Den Vormittag verbringen wir in Kempten und bummeln durch die zahlreichen Outdoorgeschäfte. Wir erhalten eine sehr gute Beratung zu Sommerschlafsäcken und Matten und bestellen gleich welche. Im auffrischenden Sturm geht es zurück ins Zimmer, umziehen für den Langlaufkurs. Die erste Unterrichtsstunde haut uns fast aus den Ski - so sehr stürmt es. Aber wir sind auf freiem Feld unterwegs, außer unserem Gleichgewicht und unserer Gesichtsmuskulatur ist nichts in Gefahr. Die Belohnung fürs Durchhalten folgt in der zweiten Stunde- bei warmen Sonnenschein und abflauendem Wind laufen wir eine gut präparierte Talloipe entlang und ich spüre, dass ich langsam wieder ein Gefühl für diese Art der Fortbewegung entwickele (Ich stehe zum zweiten Mal in meinem Leben auf Langlaufski.). Trotz heißer Dusche immer noch fröstelnd und erschöpft spazieren wir im Spätnachmittag in die dorfeigene Pizzeria, um danach schnell ins Bett zu krabbeln.

Aus der erhofften Nachtruhe wird jedoch nichts, weil ich krank werde. Deshalb geht es für uns am nächsten Morgen leider auf dem direkten Weg nach Hause. Andreas fährt tapfer die ganze Strecke alleine und bringt mich sogar noch vor Feierabend zum Arzt. So endet mein Geburtstagsgeschenk zwar mit Fieber und Gliederschmerzen, dafür erleichtern mir die wunderbaren Erinnerungen das Gesundwerden!